„Wir werden 2012 kräftig wachsen“
26. Januar 2012 | Von Martin Münzenmayer | Kategorie: Artikel über Aktien
Seit Jahresbeginn haben sich die meisten deutschen Blue Chips deutlich verteuert. Diese erfreuliche Entwicklung könnte sich in den kommenden Wochen fortsetzen. Denn die Perspektiven für Deutschlands Wirtschaft sind besser als manche Experten bislang vermutet haben. Unabhängig davon sollten clevere Anleger nicht nur auf Standardwerte setzen. Schließlich bieten auch einige Nebenwerte ein hervorragendes Chance-Risiko-Verhältnis. Zu den besonders aussichtsreichen Titeln zählt die Aktie von HPI. Das Unternehmen mit Hauptsitz in München bietet Einkaufs- und Prozessdienstleistungen an. Ebensolche werden stark nachgefragt, da sich große Konzerne wegen eines hohen Wettbewerbsdrucks auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müssen und deshalb gerne Teile ihres Einkaufs auslagern, zumal sie dadurch ihre Kosten senken können. In diesem Jahr wird HPI eine Unternehmensanleihe platzieren. Mit dem Emissionserlös sollen viel versprechende Investitionen finanziert werden, die zur Dynamisierung des Unternehmenswachstums beitragen werden. Deshalb ist HPI-Vorstandschef Michael Negel zuversichtlich bezüglich der mittel- bis langfristigen Geschäftsentwicklung. Mit dem wachstumsorientierten Unternehmenslenker hat Martin Münzenmayer vom Stuttgarter Researchbüro ein Interview geführt.
Stuttgarter Researchbüro: Warum hat sich HPI für die Platzierung einer Unternehmensanleihe anstelle eines Bankdarlehens entschieden?
Michael Negel: Wir könnten einen Kredit bei einer Bank beantragen – allerdings erst dann, wenn eine testierte Konzernbilanz für das Geschäftsjahr 2011 vorliegt. Wir werden im April eine gute testierte Konzernbilanz vorliegen haben. Somit könnten wir erst im Mai einen Darlehensantrag bei einem Finanzinstitut einreichen. Das Kapital würden wir dann voraussichtlich im September erhalten. Solange wollen und können wir aber nicht warten, weil wir derzeit lukrative Investitionsmöglichkeiten haben, die wir rasch nutzen möchten. Deshalb haben wir uns für die Begebung einer Unternehmensanleihe entschieden.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Laufzeit hat die Anleihe und wie hoch ist deren Verzinsung?
Michael Negel: Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird bis zum Fälligkeitstermin im Dezember 2016 mit neun Prozent per annum verzinst. Das Volumen der Anleihe beträgt bis zu sechs Millionen Euro. Platziert werden kann bis Ende dieses Jahres.
Stuttgarter Researchbüro: Jüngst ist Falk Raudies Vorstandsmitglied von HPI geworden. Für welche Bereiche ist er nun verantwortlich?
Michael Negel: Ich möchte zunächst darauf hinweisen, dass Raudies bereits als Bereichsleiter Umsatzverantwortung für sechs HPI-Gesellschaften hatte, bevor er in den Vorstand aufgenommen wurde. Erwähnenswert ist zudem, dass Raudies und ich gemeinsam 48 Prozent der HPI-Aktien halten. Künftig wird Raudies als Vorstand mit mir zusammen für das operative Geschäft und die damit verbundene Organisation verantwortlich sein. Ich werde das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender führen, Herr Raudies wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Aber genau genommen sitzen Raudies und ich in einem Boot. Daher werden wir bestmöglich zusammenarbeiten.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Investitionen sind geplant?
Michael Negel: Wir wollen voraussichtlich im April eine 75-prozentige Beteiligung an einem IT-Einkaufsdienstleister erwerben. Zudem möchten wir die Einkaufs- und Logistikaktivitäten eines Industrieunternehmens übernehmen, dass einen Jahresumsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich erwirtschaft, wofür wir zunächst einige Investitionen tätigen müssen. Auf der Agenda steht auch die Aufstockung einer unserer Beteiligungen im Industriebereich. Last but not least werden wir Anfang April in Nordrhein-Westfalen ein neues Hochreallager in Betrieb nehmen. Dessen Logistikfläche ist dreimal so groß als die Fläche des Lagers, das wir derzeit nutzen und das bereits aus allen Nähten platzt.
Stuttgarter Researchbüro: Gibt es noch weitere Vorhaben?
Michael Negel: Ja, wir wollen ein sehr lukratives Segment des HPI-Konzerns ausbauen – und zwar die Übernahme von Lagerüberbeständen und deren globale Vermarktung. Diesen Geschäftsbereich haben wir im September 2010 gegründet, indem wir die Azego Components AG übernommen haben, die sich auf den Erwerb und die Vermarktung von Chip-Überbeständen spezialisiert hat. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz von Azego Components verdoppelt. 2012 dürfte er sich erneut verdoppeln oder sogar verdreifachen. Im ersten Quartal 2012 wird übrigens eine Online-Plattform von HPI für die B2B-Vermarktung von IT-Überbeständen freigeschaltet. Wir rechnen im Bereich der Überbestandsvermarktung von Chips und IT-Produkten bei HPI jährlich mit einem hohen, zweistelligen Gewinnwachstum.
Stuttgarter Researchbüro: Wie wird sich die geplante Aufstockung der Beteiligung an der Industriegesellschaft auf die Marge auswirken?
Michael Negel: Diese Transaktion wird dazu führen, dass die Marge steigen wird, da der auf Minderheiten entfallende Gewinn infolge der Aufstockung der Beteiligung sinken wird. Der Nettogewinn, den wir mit dieser Beteiligung erzielen, wird voraussichtlich um 25 Prozent steigen.
Stuttgarter Researchbüro: Ist die Integration der derzeitigen Tochterunternehmen abgeschlossen?
Michael Negel: Inzwischen sind alle HPI-Töchter vollständig integriert. Im vergangenen Jahr haben wir uns bewusst auf die Integration der Tochtergesellschaften konzentriert, wodurch wir Synergiepotenziale nutzen und Kosten senken konnten. Anmerken möchte ich aber, dass wir im Dezember 2011 unser IT-Segment mit der Übernahme der NET Consulting GmbH gestärkt haben. Mit dem Kauf der auf IT-Netzwerke, Server- und Speichersysteme, Virtualisierung und Cloud Computing spezialisierten Einkaufs- und Servicegesellschaft wollten wir unser Leistungsportfolio im Bereich IT-Service erweitern.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Dienstleistungen beziehungsweise Produkte von HPI werden aktuell besonders stark nachgefragt?
Michael Negel: Sehr hoch ist die Nachfrage im Bereich IT-Netzwerke, da das Thema Netzwerksicherheit derzeit für viele Unternehmen von großer Bedeutung ist. Zudem werden unserer Einkaufsdienstleistungen für Ge- und Verbrauchsgüter für den industriellen Sektor stark nachgefragt. In dieser Sparte konnten wir die Erlöse im Geschäftsjahr 2011 um mehr als 25 Prozent steigern. In diesem Jahr erwarte ich hier erneut ein deutliches Umsatzplus, da wir dieses Geschäft auf Frankreich und Belgien ausdehnen werden.
Stuttgarter Researchbüro: Für manche Anleger ist es nicht klar, ob HPI nun Ware liefert oder den Einkauf nur organisiert. Können Sie das näher definieren?
Michael Negel: 90 Prozent unseres Jahresumsatzes sind Transaktionserlöse. Das heißt, wir kaufen Produkte, lagern diese und liefern sie gegen Rechnung an Industriekunden in Europa, Asien und Amerika. In einem Jahr handelt HPI 750.000 Bestellungen, zwei Millionen Warenein- und -ausgänge und beliefert 800 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in deren Niederlassungen in Asien und den USA. Dabei machen wir unseren Umsatz zu je einem Drittel mit IT-Produkten, elektronischen Bauelementen sowie industriellen Ge- und Verbrauchsartikeln (wie zum Beispiel Werkzeuge, Schleifmittel und anderes Fertigungsmaterial). Nur ein Umsatz von etwa sieben Millionen Euro ist Dienstleistungsumsatz. Dafür verhandeln und verwalten wir ein Einkaufsvolumen in Höhe von circa vier Milliarden Euro für die Industrie.
Stuttgarter Researchbüro: Wie schätzen Sie die Chancen für die Gewinnung neuer Kunden ein?
Michael Negel: Voraussichtlich werden wir 2012 einige Neukunden gewinnen. Schließlich hat die Unternehmensberatung Cap Gemini im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht, gemäß der sich in Europa 43 Prozent aller Einkäufer von Industrieunternehmen mit dem Outsourcing von Einkaufs- und Logistikdienstleistungen beschäftigen.
Stuttgarter Researchbüro: Im Juni 2011 haben Sie für das Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 130 bis 140 Millionen Euro und eine EBIT-Marge von 3,5 bis 4,5 Prozent in Aussicht gestellt. Halten Sie an diesem Ausblick fest?
Michael Negel: Im Vordergrund steht bei uns das organische Gewinnwachstum neben dem Wachstum durch Akquisitionen. 2013 wollen wir bei einem Umsatz von deutlich mehr als 100 Millionen Euro eine EBIT-Marge zwischen 3,5 und 4,5 Prozent sowie einen Gewinn je Aktie zwischen 0,28 und 0,38 Euro erzielen.
Aktie ist deutlich unterbewertet
Viele Unternehmen wollen ihre Kosten nachhaltig senken und lagern deshalb den Einkauf von B- und C-Artikeln wie zum Beispiel Schrauben und Arbeitshandschuhe aus. Von diesem Trend profitiert HPI. Positiv zu werten ist, dass das HPI-Management eine gut durchdachte und aussichtsreiche Wachstumsstrategie umsetzt. Die guten Unternehmensperspektiven sind jedoch im aktuellen Aktienkurs nicht eingepreist. Denn basierend auf dem für 2012 in Aussicht gestellten Gewinn von 0,22 bis 0,26 Euro je Aktie errechnet sich ein KGV von 7,7 bis 9,0. Legt man den für 2013 anvisierten Gewinn von 0,28 bis 0,38 pro Anteilschein zugrunde, beträgt das KGV sogar nur 5,2 bis 7,1. Somit ist die HPI-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau ein Schnäppchen.
Weitere Informationen:
WKN: A0JCY3
ISIN: DE000A0JCY37
Aktienkurs: 1,99 Euro (Stand: 25.01.2012)
Aktienanzahl: 7.249.490
Marktkapitalisierung: 14,43 Millionen Euro (Stand: 25.01.2012)
Geschäftsjahresende: 31.12.
Kontaktadresse
HPI AG
Joseph-Wild-Straße 20
81622 München
Telefon: 089 9971-1501
Telefax: 089 9971-5999
E-Mail: info@hpi-ag.com
Internet: www.hpi-ag.com

