„2011 wird ein gutes Jahr für Blue Cap“
3. Februar 2011 | Von Martin Münzenmayer | Kategorie: Artikel über Aktien
Trotz der beeindruckenden Kursrallye am deutschen Aktienmarkt können Value-Anleger im Nebenwertesektor nach wie vor einige „Perlen“ finden. Zu denen zählt auch die Aktie der Blue Cap AG. Die in München ansässige Holding beteiligt sich an mittelständischen Unternehmen, die sich in Umbruchsituationen befinden oder die finanzielle Probleme haben. Auch Mittelständler, bei denen eine ungelöste Nachfolgeproblematik besteht, sind potenzielle Kandidaten für das Blue Cap-Portfolio, in dem sich derzeit fünf Unternehmensbeteiligungen befinden. Über die Strategie und die Perspektiven der Blue Cap AG sprach Martin Münzenmayer vom Stuttgarter Researchbüro mit Alleinvorstand Dr. Hannspeter Schubert.
Stuttgarter Researchbüro: Herr Dr. Schubert, erläutern Sie bitte das Geschäftsmodell der Blue Cap AG?
Dr. Hannspeter Schubert: Wir erwerben Mehrheitsbeteiligungen an mittelständischen Nischenunternehmen, die über eine gewisse Substanz verfügen und deren Jahresumsatz zwischen zehn und 50 Millionen Euro liegt. Solche Gesellschaften sind für große Finanzinvestoren uninteressant, weswegen diese Investoren für uns keine Konkurrenten sind. Eine Beteiligung kaufen wir nur dann, wenn sichergestellt ist, dass das Kerngeschäft des Unternehmens eine langfristige Wertsteigerung zulässt. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Ertragskraft der Unternehmen im Blue Cap-Portfolio nachhaltig zu verbessern. Erwerben wir eine Gesellschaft, die rote Zahlen schreibt, wollen wir sie schnellstmöglich auf Profitabilität trimmen. Generell beteiligen wir uns gerne an Nischenplayern, bei denen ein gewisser Handlungsdruck besteht.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Vorteile resultieren aus der Fokussierung auf mittelständische Unternehmen, die in Nischenmärkten aktiv sind?
Dr. Hannspeter Schubert: Wir haben mit dieser Fokussierung sehr gute Erfahrungen gemacht. Schließlich dringt ein großer Konzern in der Regel nicht in einen Nischenmarkt ein, in dem ein Mittelständler mit seinen Produkten über eine führende Stellung verfügt. Zudem ist der Wettbewerbsdruck in einem Nischenmarkt meistens sehr gering, was ebenfalls für unsere Strategie spricht. Hinzu kommt, dass ein mittelständischer Nischenplayer auch bei geringerem Umsatz eine relativ attraktive Marge erzielen kann.
Stuttgarter Researchbüro: Nennen Sie bitte die Voraussetzungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, damit es für das Blue Cap-Portfolio infrage kommt?
Dr. Hannspeter Schubert: Generell beteiligen wir uns an Gesellschaften, deren Produkte oder Technologien von Besonderheit sind. Zudem müssen für uns bereits beim Einstieg Möglichkeiten erkennbar sein, das Unternehmen profitabel zu gestalten. Daneben ist eine mögliche Internationalisierung für das Unternehmen von Vorteil, um eine reine Beschränkung auf den deutschen Markt zu vermeiden.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Maßnahmen werden umgesetzt, um Kostensenkungspotenziale bei den Portfoliounternehmen zu nutzen und deren Entwicklung voranzutreiben?
Dr. Hannspeter Schubert: Zu diesen Maßnahmen zählen die Neudefinierung interner Unternehmensprozesse und die Überarbeitung der Finanzierung. Des Weiteren achten wir darauf, dass nur Geschäftsbereiche weiterentwickelt werden, die über ein Ergebnissteigerungspotenzial verfügen. Denn wir wollen in erster Linie den Ertrag maximieren und nicht nur den Umsatz. Dadurch schaffen wir frei verfügbare Finanzressourcen, die wir zum Beispiel für die Weiterentwicklung von Produkten verwenden können.
Stuttgarter Researchbüro: Ist es das Ziel von Blue Cap, die Beteiligungen nach einem bestimmten Zeitraum mit Gewinn zu verkaufen?
Dr. Hannspeter Schubert: Das ist nicht unser Ziel. Schließlich profitiert Blue Cap vom Ertragswachstum der Portfoliounternehmen. Deshalb stehen wir grundsätzlich nicht unter Druck, Beteiligungen verkaufen zu müssen. Aber unabhängig davon ist es so, dass eine Gesellschaft nach dem Einstieg von Blue Cap innerhalb von drei bis fünf Jahren einen gewissen Reifegrad erreicht hat, so dass sie dann für einen strategischen Investor interessant sein kann. Diesbezüglich haben wir schon sehr positive Erfahrungen gemacht.
Stuttgarter Researchbüro: Warum wurde die Beteiligung an der Planatol GmbH bereits mehrfach aufgestockt?
Dr. Hannspeter Schubert: Beim Erwerb einer Beteiligung von 18,27 Prozent an der Planatol GmbH im Juli 2009 hat Blue Cap Optionen erhalten, die das Recht zum Erwerb weiterer Anteile verbriefen. Somit war die Beteiligungsaufstockung im Prinzip von vornherein ein Ziel von Blue Cap. Allerdings wurden die Optionen wesentlich früher als geplant ausgeübt, da sich das Geschäft der Planatol GmbH im Zuge eines Anfang 2009 eingeleiteten Sanierungsprogramms sehr gut entwickelt hat. Diese Entwicklung spiegelt sich in den 2010er-Zahlen des Klebstoff-Spezialisten wider. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von weit über 30 Millionen Euro eine zweistellige EBIT-Marge. Die positive Geschäftsentwicklung dürfte sich bei der Planatol GmbH in diesem Jahr fortsetzen.
Stuttgarter Researchbüro: Wie beurteilen Sie die Perspektiven der anderen Portfoliounternehmen?
Dr. Hannspeter Schubert: Auch die anderen vier Mittelständler, an denen Blue Cap beteiligt ist, werden weiterhin auf dem Wachstumspfad bleiben, da sich ihre Auftragslage bereits im zurückliegenden Jahr deutlich erholt hat und dank der positiven Wirtschaftssituation noch Potenzial für einen weiteren Anstieg der Ordereingänge vorhanden ist. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass 2011 ein gutes Jahr für Blue Cap wird.
Stuttgarter Researchbüro: Welches Portfoliounternehmen könnte mittelfristig den Sprung an die Börse schaffen?
Dr. Hannspeter Schubert: Für die Planatol Gruppe könnte ein Börsengang insbesondere wegen des Wachstumspotenzials, das der Klebstoffmarkt bietet, interessant sein. Nach der vollständigen Übernahme der Planatol Gruppe wäre die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und eine darauf folgende Kapitalerhöhung denkbar. Mit zusätzlichem Kapital könnte Planatol in weitere innovative Klebstoffanwendungen investieren.
Stuttgarter Researchbüro: Für welche Portfoliounternehmen könnten sich strategische Investoren interessieren?
Dr. Hannspeter Schubert: Die im Bereich Dichtheitsprüfung aktive H.SCHREINER Test- und Sonderanlagen GmbH ist aus meiner Sicht ein Unternehmen, das für einen Strategen ein interessanter Kaufkandidat sein könnte. Dies trifft auch auf INHECO zu – die in Martinsried ansässige Gesellschaft entwickelt und produziert thermo-elektrische Heiz- und Kühlelemente, die von etablierten Konzernen wie Roche, Tecan und General Electric gekauft werden.
Stuttgarter Researchbüro: Ist der Erwerb weiterer Beteiligungen geplant?
Dr. Hannspeter Schubert: Wir schauen uns derzeit mehrere Unternehmen an, die für das Blue Cap-Portfolio infrage kommen. Bis Ende 2011 werden wir voraussichtlich eine Beteiligung erwerben. In den vergangenen 18 Monaten haben wir sehr viel getan, um die Ertragskraft unserer fünf Portfoliounternehmen zu verbessern. Deshalb wurde die Durchführung weiterer Zukäufe bislang zurückgestellt.
Stuttgarter Researchbüro: Können Sie eine Ergebnisprognose für das laufende Fiskaljahr abgeben?
Dr. Hannspeter Schubert: Derzeit kann ich eine solche Prognose noch nicht wagen, da ein Beteiligungsverkauf oder ein Börsengang von Planatol das diesjährige Ergebnis stark beeinflussen könnten. Unabhängig davon möchte ich darauf hinweisen, dass Blue Cap über eine schlanke Verwaltung verfügt, die nur geringe Kosten verursacht. Dies wirkt sich positiv auf die Ergebnisentwicklung aus.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Fakten sprechen aus Ihrer Sicht derzeit für einen Kauf von Blue Cap-Aktien?
Dr. Hannspeter Schubert: Fakt ist, dass das aktuelle Kursniveau der Blue Cap-Aktie die inneren Werte unseres Portfolios nicht angemessen widerspiegelt. Zudem dürfte der Wert des Portfolios künftig steigen, da die Portfoliounternehmen von der Wirtschaftserholung profitieren. Von großer Bedeutung ist auch, dass Blue Cap ausschließlich in substanzstarke Unternehmen investiert und eine HGB-Bilanz erstellt. Wir bilanzieren also sehr konservativ und vorsichtig.
Ideales Investment für Value-Investoren
Blue Cap sticht mit einer vielversprechenden Fokussierung positiv aus der Masse der börsennotierten Beteiligungsgesellschaften hervor. Zudem punktet das Unternehmen mit einem sehr erfahrenen Alleinvorstand. Schließlich kann Dr. Hannspeter Schubert auf eine langjährige Berufserfahrung in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung zurückblicken. Darüber hinaus hat er mehrere mittelständische Gesellschaften erfolgreich saniert, bevor er 2006 das Vorstandsamt bei Blue Cap übernommen hat. Neben seiner Expertise spricht auch die solide Bilanz für die Münchener Beteiligungsgesellschaft. Aus Anlegersicht wichtig ist ferner die Tatsache, dass der aktuelle Börsenwert von Blue Cap unter fundamentalen Aspekten viel zu niedrig ist. Auf diesen Sachverhalt dürften zahlreiche Marktteilnehmer spätestens bei einem Börsengang des Klebstoff-Spezialisten Planatol aufmerksam werden. Vor diesem Hintergrund ist die Blue Cap-Aktie ein ideales Investment für Value-Investoren, zumal das Eigenkapital der Gesellschaft 75 Prozent des derzeitigen Börsenwertes der Gesellschaft abdeckt.
Weitere Informationen
Internetseite: www.blue-cap.de
WKN: A0J M2M
ISIN: DE000A0JM2M1
Aktienkurs: 3,00 Euro (Stand: 02.02.2011)
Aktienanzahl: 3,0 Millionen
Marktkapitalisierung: 9,0 Millionen Euro
Eigenkapital: 6,75 Millionen Euro (Stand: 30.06.2010)
Geschäftsjahresende: 30.06.

