Stefan Eishold: „Wir wollen die Finanzkraft von InCity stärken“
30. Juni 2010 | Von Martin Münzenmayer | Kategorie: Top-Thema
Die bereits mehrere Monate andauernde Talfahrt der InCity Immobilien-Aktie schien jüngst zu Ende zu gehen: Der Anteilschein verteuerte sich vom 4. bis 11. Juli von 7,00 auf 7,90 Euro. Anschließend kam es leider zu einer scharfen Korrektur, die durch eine Ad-hoc-Meldung des Unternehmens ausgelöst wurde. Der Mitteilung war unter anderem zu entnehmen, dass die Durchführung einer Kapitalerhöhung geplant ist und dass Friedrich Schwab mit sofortiger Wirkung und André Peto baldmöglichst aus dem InCity-Vorstand ausscheiden werden. Unabhängig davon wird Herr Schwab auch in Zukunft als Vorstand der InCity-Tochtergesellschaft informica real investment AG tätig sein.
Inzwischen wurden die Konditionen der Kapitalerhöhung bekannt gegeben: Das auf die Veredlung von Gewerbe- und Wohnimmobilien fokussierte Unternehmen wird bis zu eine Million neuer Aktien ausgeben. Aktionäre können für jeweils 2,75 InCity-Anteilscheine, die sie besitzen, eine neue InCity-Aktie zum Preis von fünf Euro beziehen. Die Bezugsfrist beginnt am 28. Juni und wird voraussichtlich am 12. Juli enden.
Es ist sehr ärgerlich, dass die InCity-Aktie infolge der Kapitalerhöhung und der Verunsicherung der Anleger aufgrund der personellen Veränderungen im Management jüngst unter die 7-Euro-Marke abgetaucht ist. Diesen Sachverhalt nahm Martin Münzenmayer vom Stuttgarter Researchbüro als Anlass für ein Interview mit InCity-Aufsichtsratschef Stefan Eishold.
Stuttgarter Researchbüro: Warum wird Herr Peto aus dem InCity-Vorstand ausscheiden?
Stefan Eishold: Die Gesellschaft ist durch das starke Wachstum der vergangenen Jahre in eine Größenordnung vorgedrungen, die neue Strukturen erfordert, um auch in Zukunft erfolgreich und profitabel wachsen zu können. Der Aufsichtsrat hat sich dieser Aufgabe frühzeitig angenommen und eine strategische Neuaufstellung für den Gesamtkonzern erarbeitet. Hierzu gehören u.a. die Bündelung von klassischen Holdingaufgaben in der AG selbst sowie die Schaffung von regional angesiedelten Tochtergesellschaften. Über diese regional agierenden Einheiten kann unsere Kompetenz bei der operativen Umsetzung von Immobilienentwicklungen noch besser zum Tragen kommen. Allerdings wurden im Zuge dieser Strukturstraffungen und -bündelungen auch die Kompetenzen, die vorher ausschließlich beim Vorstand lagen, neu verteilt. Im Sinne der Gesellschaft wurde aus diesem Grund einvernehmlich das Ausscheiden von Herrn Peto aus dem Vorstand beschlossen. Für die nächste Wachstumsphase wird in Kürze ein neuer Vorstand berufen werden.
Stuttgarter Researchbüro: Die von Herrn Peto gehaltenen InCity-Aktien wurden aufgrund dessen Ausscheiden aus dem Vorstand an die Close Brothers Seydler Bank AG veräußert, die diese Papiere bei institutionellen Anlegern platziert hat. Zu welchem Preis haben die Investoren die Aktien erworben?
Stefan Eishold: Soweit ich über das privatrechtlich geregelte Geschäft zwischen Herrn Peto und der Close Brothers Seydler Bank AG informiert bin, kann ich sagen, dass die Bank mit dem Verkauf beauftragt worden ist und das Paket wohl an institutionelle Investoren veräußert wurde. Sowohl über den Preis als auch über die Käufer habe ich bisher keine Kenntnis erlangt. Bislang haben wir auch noch keine die aktienrechtliche Meldeschwelle von 25% überschreitende Meldung erhalten. .
Stuttgarter Researchbüro: Ursprünglich sollte für das Geschäftsjahr 2009 eine Dividende von 0,40 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Können Aktionäre weiterhin mit der Ausschüttung einer Dividende in dieser Größenordnung rechnen?
Stefan Eishold: Sämtliche in den letzten Wochen bekanntgegebene Veränderungen im Konzern – wozu ich auch die Erweiterung des Aufsichtsrats und die teilweise Neubesetzung des Vorstands zähle – dienen vor allem der Sicherstellung von Wachstumszielsetzungen in der Zukunft. Hierzu gehören automatisch auch Fragen der Finanzierung. Ein erster Schritt ist im Hinblick auf die Stärkung des finanziellen Handlungsspielraums mit den vor kurzem veröffentlichten Planungen zur Kapitalerhöhung geschehen. Ob und inwieweit es für den neuen Aufsichtsrat und Vorstand als sinnvoll erachtet wird, eine Dividende in diesem Jahr auszuschütten, kann ich heute nicht final beantworten. Allerdings werden wir dies in Kürze in den jeweiligen Gremien auf Basis neuer Businesspläne erörtern. .
Stuttgarter Researchbüro: Könnten Sie bitte erläutern, warum InCity eine Kapitalerhöhung durchführt?
Stefan Eishold: Wir wollen mit der Kapitalerhöhung die Finanzkraft des Unternehmens stärken, sodass mehr Transaktionen als bislang durchgeführt werden können. Auch die zunehmende Größe der Deals macht eine Erweiterung der Finanzmittel-Ausstattung von InCity notwendig. Des Weiteren wollen wir künftig die Zusammenarbeit mit weiteren regional tätigen Immobilienentwicklern aufnehmen und benötigen hierfür zusätzliches Kapital.
Stuttgarter Researchbüro: Manche Anleger wundern sich, dass eine Kapitalerhöhung notwendig ist, obwohl die Geschäfte von InCity gut laufen und langjährige Beziehungen zu den Hausbanken bestehen.
Stefan Eishold: Die guten Kontakte zu unseren Hausbanken werden weiterhin ein großer Vorteil von InCity sein. Aber das ändert nichts daran, dass das Unternehmen in den zurückliegenden zwei Jahren sehr schnell gewachsen ist und im Zuge dieser Entwicklung die Gesellschaftsstrukturen nicht weiterentwickelt wurden. Der InCity-Aufsichtsrat hat nun vor Kurzem die Notwendigkeit und damit gleichzeitig die Chance gesehen, InCity neu auszurichten, um dadurch ein kontinuierliches risikoarmes Unternehmenswachstum zu ermöglichen.
Stuttgarter Researchbüro: Inwiefern werden sich die Gesellschaftsstrukturen ändern?
Stefan Eishold: Auf der Agenda steht eine Entflechtung des Immobilienentwicklungs-Geschäfts vom Holding-Geschäft, das unter anderem die Bereiche Finanzierung, Controlling und Recht umfasst.
Stuttgarter Researchbüro: Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld von InCity?
Stefan Eishold: Das Marktumfeld im Bereich lokale Immobilienentwicklung ist äußerst interessant und bietet aus unserer Sicht enorme Chancen.. Wesentlich im deutschen Immobilienmarkt ist vor allem der Zugang zu den Projekten, der in der Regel über langjährig erfahrene, vor allem aber regional ansässige Projektentwickler, gewährleistet werden kann. Über eine Kombination aus Immobilien Know-how und maßgeschneiderten Finanzierungskonzepten wollen und werden wir diese Partner für eine Zusammenarbeit mit der InCity Immobilien AG gewinnen. Hierbei wird vor allem die Finanzierungskompetenz und -sicherstellung, die wir in die Verhandlungen mit einbringen, von entscheidender Bedeutung sein.
Stuttgarter Researchbüro: In welchem Umfang ist InCity derzeit an der informica real investment AG beteiligt? Ist eine Aufstockung dieser Beteiligung geplant?
Stefan Eishold: InCity ist gegenwärtig mit rund 83% an der Informica beteiligt. Eine Aufstockung ist derzeit nicht geplant.
Abwarten lautet die Devise!
Anleger, die sich jüngst InCity-Aktien ins Depot gepackt haben, sollten weiterhin investiert bleiben. Schließlich könnte sich der Titel bis zu der auf den 11. August 2010 verschobenen Hauptversammlung leicht verteuern. Den Kurs nach oben treiben würde ohne Zweifel die Ankündigung einer Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2009. Mittelfristig könnte sich zudem ein überzeugender Ausblick für 2011 positiv auf den Aktienkurs auswirken. An der laufenden Kapitalerhöhung sollten InCity-Aktionäre teilnehmen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass der Kurs der InCity-Aktie in den kommenden Wochen unter den Bezugspreis von fünf Euro fallen wird.

