Lobeck Medical-Präsident erwartet starken Umsatzanstieg
13. November 2009 | Von Martin Münzenmayer | Kategorie: Top-Thema
Die Aktie der Lobeck Medical AG ist seit August 2007 im Open Market gelistet. Dort fristete sie bislang ein Schattendasein, obwohl das Medizintechnikunternehmen über sehr gute Wachstumschancen verfügt. Über ebensolche sprach das Stuttgarter Researchbüro mit dem Verwaltungsratspräsidenten Andreas Dornbierer beim Eigenkapitalforum in Frankfurt.
Stuttgarter Researchbüro: Herr Dornbierer, Ihr Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Blutzucker-Messgeräte und medizinische Diagnose-Kits. Können Sie uns bitte einige Hintergrundinformationen zum Produktportfolio geben.
Andreas Dornbierer: Unser Sortiment zeichnet sich durch eine hohe Qualität aus. Dieser Sachverhalt diente in vielen Ländern im Zuge unseres bisherigen Vertriebsausbaus als eine Art „Türöffner“. Wichtig ist zudem, dass wir derzeit in der Schweiz der einzige Hersteller von Blutzucker-Messgeräten sind. Denn wir haben festgestellt, dass häufig bevorzugt unsere Produkte bestellt werden, obwohl sie meist gar teurer sind als diejenigen der marktführenden Wettbewerber. Dies mag mit der guten Positionierung unserer Marke MediSmartâ of Switzerland zusammenhängen, die in der Schweiz, aber auch in anderen Ländern mittlerweile zu einem Synonym für überdurchschnittliche Qualität avanciert.
Wir bieten außerdem vier Diagnose-Kits an, die Patienten zu Hause anwenden können. Ein Vorteil unseres Schwangerschafts-Tests ist zum Beispiel, dass mit ihm bereits 7 Tage nach dem Geschlechtsverkehr eine mögliche Schwangerschaft nachgewiesen werden kann. Unser Test zur Darmkrebsfrüherkennung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass vor dessen Durchführung keine spezielle Diät eingehalten werden muss. Des Weiteren glänzen unsere Schnell-Tests zum Nachweis des Eisprungs (Ovulationstest) und des Einsetzens der Wechseljahre (Menopausetest) mit einem überdurchschnittlich hohen Präzisionsfaktor.
Stuttgarter Researchbüro: Im ersten Quartal 2009 erwirtschaftete Lobeck Medical einen höheren Umsatz als im gesamten Fiskaljahr 2008. Was waren die Gründe dafür?
Andreas Dornbierer: Wir haben im diesjährigen Auftaktquartal unter anderem auch einen Großauftrag von einem Neukunden erhalten. Er hatte bislang Fernost-Produkte im Einsatz und wollte auf unsere Blutzucker-Messgeräte umstellen, da er von deren Qualität begeistert ist. Dies ist auch der Grund dafür, dass dieser Kunde weitere Großaufträge platzieren will.
Stuttgarter Researchbüro: Wie beurteilen Sie die Wachstumschancen der Diabetes-Sparte von Lobeck Medical?
Andreas Dornbierer: In diesem Zusammenhang möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass vier große Pharma/Diagnostikkonzerne etwa 85 Prozent des weltweiten Diabetesmarktes beherrschen. Das Volumen der restlichen 15 Prozent beträgt Expertenschätzungen zufolge rund zwei Milliarden Schweizer Franken. Von diesem „Kuchen“ können sich kleine Firmen wie die Lobeck Medical AG ein Stück abschneiden.
Hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung in der Diabetes-Sparte bin ich außerordentlich zuversichtlich. Schließlich haben wir bereits in mehr als 30 Ländern Distributoren für unsere Blutzucker-Messgeräte gefunden und werden in den kommenden Monaten weitere Länder erschließen. Vorteilhaft auswirken wird sich dabei die Tatsache, dass unsere Produkte unter technologischen Aspekten ebenbürtig sind mit den Pendants der Pharmariesen.
Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass Messstreifen anderer Firmen nicht für die Blutzuckerbestimmung mit Geräten der Lobeck Medical AG verwendet werden können. Somit muss zum Beispiel ein Spital, das sich für unsere Produkte entschieden hat, stets Messstreifen unserer Marke von uns beziehen. Die ist aus Anlegersicht hochinteressant, weil wir mit den Streifen eine wesentlich höhere Marge erzielen als mit den Messgeräten. Ebenfalls sehr wichtig ist, dass der Streifen-Umsatz einhergehend mit der steigenden Anzahl der verkaufen Apparate kontinuierlich wächst.
Stuttgarter Researchbüro: Welche Geschäftsentwicklung erwarten Sie im Bereich der medizinischen Schnell-Tests?
Andreas Dornbierer: Die Verkaufszahlen unserer qualitativ hochwertigen Diagnostik-Produkte sind in den zurückliegenden Monaten vor allem in Südamerika und im Benelux-Raum deutlich gestiegen. Dieser Trend dürfte sich künftig fortsetzen. Überdies sollte sich in diesem Geschäftsbereich die Ausweitung des Sortiments und die Optimierung von bereits im Angebot befindlichen Schnell-Tests positiv auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung auswirken. Neue Produkte werden wir übrigens vom 18. bis 21. November 2009 auf der weltgrößten Medizintechnik-Fachmesse MEDICA in Düsseldorf vorstellen.
Stuttgarter Researchbüro: Im Geschäftsjahr 2008 erzielte Lobeck Medical bei einem Umsatz von rund 3,27 Millionen Schweizer Franken ein EBIT von 304.600 Franken. Können Sie uns die Planzahlen für das laufende Jahr und für 2010 nennen?
Andreas Dornbierer: Für 2009 rechnen wir mit einem Umsatz im Bereich von fünf Millionen Franken und einem EBIT von 0,7 Millionen Franken. Ob wir diese Zahlen letztendlich erreichen werden, hängt von der Zahl der Aufträge ab, die wir bis Jahresende abarbeiten können. Auf alle Fälle werden wir dank eines Orderbestands im Wert von circa zwei Millionen Franken gut ins Fiskaljahr 2010 starten. Der Umsatz dürfte sich im kommenden Jahr um voraussichtlich 50 Prozent erhöhen. Beim EBIT erwarte ich ebenfalls einen erheblichen Anstieg.
Stuttgarter Researchbüro: Unabhängig von den genannten Umsatz- und Gewinnzielen rechnen Sie mittel- bis langfristig mit einer deutlichen Margenverbesserung. Bitte begründen Sie diese Prognose.
Andreas Dornbierer: Infolge des zunehmenden Teststreifenanteils am Umsatz wird sich unsere Rendite quasi automatisch verbessern. Zudem werden wir in den nächsten Jahren die Kosten senken können, indem wir die derzeit teilweise ausgelagerte Produktion – selbst übernehmen. Hierfür planen wir in moderne Maschinen zu investieren.
Stuttgarter Researchbüro: In welchen Ländern liefen die Geschäfte von Lobeck Medical in diesem Jahr besonders gut?
Andreas Dornbierer: Wir konnten vor allem in Asien, Südamerika und im Mittleren Osten bedeutsame Vertriebserfolge erzielen.
Stuttgarter Researchbüro: Welches Expansions-Ziel will Lobeck Medical im Geschäftsjahr 2010 erreichen?
Andreas Dornbierer: Ende 2009 werden wir mit unserer Marke MediSmartâ of Switzerland weltweit in 34 Ländern präsent sein. Im kommenden Jahr wollen wir mindestens sechs weitere Länder erschließen, wobei der Schwerpunkt unserer Expansionsstrategie in Europa liegen wird.
Stuttgarter Researchbüro: Ist es für Lobeck Medical schwierig, eine Vertriebszulassung für ein Land zu erhalten?
Andreas Dornbierer: Die Beantragung einer solchen Zulassung ist nicht schwierig, aber oftmals teuer und zeitaufwendig. In einigen Fällen verging vom Zeitpunkt der Beantragung bis zur Erteilung einer Vertriebslizenz für ein Land mehr als ein Jahr.
Stuttgarter Researchbüro: Könnte es sein, dass Sie im nächsten Jahr eine Kapitalerhöhung durchführen müssen, um die Durchführung von Investitionen zu ermöglichen?
Andreas Dornbierer: Ich kann die Ausgabe von neuen Aktien nicht völlig ausschließen. Allerdings gehe ich derzeit davon aus, dass wir 2010 auf eine Kapitalerhöhung verzichten können. Denn wir sollten auch in Zukunft in der Lage sein, unsere Investitionen größtenteils aus dem Cashflow zu finanzieren. Des Weiteren könnten wir im Rahmen von Zukäufen eigene Aktien als Akquisitionswährung einsetzen. Diesbezüglich müssen Sie wissen, dass der Vorstand und Organe von Lobeck Medical fast die Hälfte der 13 Millionen Aktien des Unternehmens besitzen.
Stuttgarter Researchbüro: Trotz der guten Wachstumsaussichten interessieren sich nur sehr wenige Anleger für Lobeck Medical. Was tun Sie, um das zu ändern?
Andreas Dornbierer: Wir haben im Sommer 2009 damit begonnen, unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Unser Ziel ist es, dass die Aktie von Lobeck Medical in den Fokus der Anleger rücken wird. Daher werden wir in den kommenden Monaten Gespräche mit mehreren Analysten und Börsen-Journalisten führen.
Nur mit Limit ordern!
Lobeck Medical ist in einer weitgehend konjunkturunabhängigen Branche aktiv und punktet mit einer hohen Innovationsstärke und guten Gewinnaussichten. Trotzdem ist der Anteilschein des Schweizer Medizintechnikspezialisten in den zurückliegenden Monaten heftig unter die Räder gekommen. Eventuell ist die enttäuschende Kursentwicklung auf Verkäufe von Investoren mit Liquiditätsproblemen zurückzuführen. Fakt ist auf jeden Fall, dass die Talfahrt der Aktie interessierten Anlegern nun eine lukrative Einstiegschance eröffnet. Schließlich ist der Titel derzeit mit einem 2010er-KGV von 8 im Branchenvergleich günstig bewertet. Langfristig orientierte Börsianer können bei Kursen unterhalb von 0,45 Euro eine kleine Anfangsposition aufbauen. Aufgrund des geringen Handelsvolumens sollten nur limitierte Kaufaufträge erteilt werden.
Weitere Informationen:
- Internetseite des Unternehmens: www.lobeck.com
- WKN: A0M R20
- aktueller Kurs: 0,39 Euro
- Marktkapitalisierung: 5,07 Millionen Euro
- KGV 2010e: 8

