Smiles-Chef: “Wir sind die Pioniere der deutschen Elektro-Auto-Branche“

12. November 2009 | Von Martin Münzenmayer | Kategorie: Artikel über Aktien, Top-Thema

REVA NXR shopping

Über die Perspektiven von Elektro-Autos wurde in den Zeitungen schon oft berichtet. Allerdings wurde in den Artikeln fast nie erwähnt, dass mehr als 50 Prozent aller Elektro-Fahrzeuge, die bereits auf Deutschlands Straßen fahren, aus Aub-Baldersheim bei Würzburg stammen. Dort fertigen die Mitarbeiter der Smiles AG den innovativen CityEl, der auf 100 Kilometern lediglich Energie im Wert von etwa einem Euro verbraucht.

Strategische Neuausrichtung sorgt für Wachstumsfantasie
Das Ursprungsmodell des CityEl wurde von dem dänischen Leichtmobilhersteller CityCom Randers A/S entwickelt, der 1995 von der CityCom Elektromobile GmbH übernommen wurde. Die letztgenannte Gesellschaft ging 1999 in die Citycom AG über, die im September 2009 die Umfirmierung zur Smiles AG vollzogen hat. Die Änderung des Firmennamens erfolgte im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens.

Als Vertriebs- und Marketinggesellschaft für Elektromobile vertreibt die Smiles AG den selbst produzierten CityEl und den REVA-i, der von der REVA Electric Car Company in Indien gefertigt wird. Durch die Vereinbarung weiterer Vertriebskooperationen soll das Sortiment in Zukunft sukzessive erweitert werden. Somit verfügt die Smiles AG über gute Wachstumschancen, zumal viele Experten eine rasant steigende Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen prognostizieren. Dies nahm das Stuttgarter Researchbüro als Anlass für ein Interview mit Smiles-Vorstand Karl Nestmeier.

Stuttgarter Researchbüro: Herr Nestmeier, in den vergangenen Jahren erzielte Ihr Unternehmen keine Gewinne. Was waren die Gründe für diese Entwicklung?

Karl Nestmeier: In der Vergangenheit haben Abschreibungen auf das Anlagevermögen von insgesamt 2,4 Millionen Euro das Ergebnis belastet. Zudem sind im Zuge der technischen Weiterentwicklung des CityEl Kosten von etwa drei Millionen Euro angefallen. Diese Belastungen führten dazu, dass wir in den Bilanzen der zurückliegenden Geschäftsjahre einen Fehlbetrag ausweisen mussten. Anmerken möchte ich, dass der CityEl dank der bisherigen Entwicklungs-Investitionen heute ein technisch in jeder Hinsicht ausgereiftes Elektro-Fahrzeug ist, für das sich nicht nur Öko-Fanatiker interessieren. Künftig werden übrigens nur noch geringe Kosten für die technische Optimierung anfallen.

Stuttgarter Researchbüro: Gehen Sie davon aus, dass die Smiles AG 2009 mit einem Nettogewinn abschließen wird?

Karl Nestmeier: Angesichts unserer guten Auftragslage könnten wir dieses Jahr mit einem Überschuss abschließen. Ob uns das tatsächlich gelingen wird, hängt jedoch von unseren Zulieferern ab. Derzeit kann ich zum Beispiel noch nicht sagen, ob wir in den kommenden Wochen aus China genügend Lithium-Ionen-Batterien für den CityEl bekommen werden. Zudem weiß ich noch nicht genau, wann der indische Kooperationspartner REVA weitere Fahrzeuge liefern kann. Mit absoluter Gewissheit kann ich jedoch sagen, dass wir mit einem sehr hohen Auftragsbestand ins Fiskaljahr 2010 starten werden.

Stuttgarter Researchbüro: Für 2011 prognostizieren Sie einen Umsatz von 31,5 Millionen Euro und ein EBIT von 2,8 Millionen Euro. Diese Planzahlen erscheinen ambitioniert angesichts der Tatsache, dass im Geschäftsjahr 2008 ein Umsatz von 2,6 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Worauf basiert Ihr Ausblick?

Karl Nestmeier: Ich kalkuliere für 2011 mit einem Absatz von 800 CityEl und 1.200 REVA-Elektromobilen. Somit müssten wir in jedem der 300 Landkreise in Deutschland sechs bis sieben Wagen verkaufen. Dies ist aus meiner Sicht eine konservative Prognose. Damit wir unsere Wachstumschancen optimal nutzen können, wollen wir in den nächsten Monaten deutschlandweit voraussichtlich 100 Vertriebs- und Servicepartner gewinnen. Als Partner infrage kommen Autohäuser, Stadtwerke und KFZ-Servicebetriebe.

Stuttgarter Researchbüro: Was haben Sie zuletzt unternommen, um die Smiles AG auf das künftige Wachstum vorzubereiten?

Karl Nestmeier: In den zurückliegenden Wochen habe ich einen Diplom-Kaufmann eingestellt, der uns im Finanzbereich unterstützt. Zudem konnte ich einen Vertriebsprofi für unsere Gesellschaft gewinnen, der früher für Audi gearbeitet hat.

Stuttgarter Researchbüro: Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Ihr Unternehmen in den kommenden zwei bis drei Jahren?

Karl Nestmeier: Risiken gibt es immer. Beispielsweise könnte es zu einer Rückrufaktion kommen. Dies ist aber nur ein theoretisches Risiko, da es sich beim CityEl und beim REVA-i um technisch ausgereifte Elektro-Fahrzeuge handelt. Unter dem Strich überwiegen aus meiner Sicht eindeutig die Chancen. Denn sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik wächst das Interesse, Elektro-Fahrzeuge als umweltschonende Mobilitätsalternative zu etablieren. Von diesen Umfeld wird die Smiles AG stark profitieren, da sie als Pionier der deutschen Elektro-Fahrzeug-Branche über ein großes technisches Know-how verfügt.

Stuttgarter Researchbüro: Welches Potenzial steckt Ihrer Meinung nach in der Kooperation mit der REVA Electric Car Company?

Karl Nestmeier: Diese Kooperation wird sich auf unser Wachstum sehr positiv auswirken. Vor allem weil das indische Unternehmen ein gut positionierter Player im Elektro-Auto-Sektor ist, der im Bereich Fahrzeugentwicklung 120 erfahrene Ingenieure beschäftigt.

Stuttgarter Researchbüro: Die Bundesregierung will, dass bis 2020 eine Million Elektro-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren und investiert daher 700 Millionen Euro in den Bereich Elektromobilität. Kann die Smiles AG davon profitieren?

Karl Nestmeier: Ob und wie sich die staatlichen Investitionen auf unsere Geschäftsentwicklung auswirken werden, kann ich nicht vorhersagen. Schließlich steht noch nicht fest, wofür das Geld ausgegeben wird. Unabhängig davon sollte man sich darüber im Klaren sein, dass in anderen Länder wesentlich höhere Summen in die Förderung der Elektromobilität investiert werden als in Deutschland.

Stuttgarter Researchbüro: Verfügt die Smiles AG über ein genehmigtes Kapital?

Karl Nestmeier: Derzeit ist dies nicht der Fall. Die Schaffung eines genehmigten und eines bedingten Kapitals werden jedoch Punkte der Tagesordnung unserer nächsten Hauptversammlung sein. Unabhängig davon müssen wir voraussichtlich so schnell keine Kapitalerhöhung durchführen, da wir bis zu fünf Millionen Euro durch die Ausgabe von stillen Beteiligungen einwerben könnten.

Großes Kurspotenzial
Mit dem Aufbau einer bundesweiten Vertriebs- und Servicestruktur wird die Smiles AG in den kommenden Monaten eine Basis für kräftiges Wachstums schaffen. Daher ist es durchaus realistisch, dass der Elektro-Fahrzeug-Anbieter die in Aussicht gestellten 2011er-Planzahlen erreichen wird. Angesichts dieser Perspektiven ist die aktuelle Marktkapitalisierung von 6,72 Millionen Euro viel zu niedrig. Deshalb ist die Smiles-Aktie ein klarer Kauf.

Tags: , , , , , , ,

2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Hi,

    welches Kursziel haben Sie?

    Danke für Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen

    Edwin Maag

  2. Hallo Herr Maag,

    vielen Dank für Ihr Interesse an dem Interview mit Smiles-Chef Karl Nestmeier.

    Aus meiner Sicht dürfte sich der Aktienkurs der Smiles-Aktie im ersten Halbjahr 2010 bei zwei Euro einpendeln. Sofern sich bis Ende 2010 abzeichnet, dass die von Herrn Nestmeier für 2011 in Aussicht gestellten Planzahlen erreicht werden können, dann ist ein weiterer Kursanstieg auf über drei Euro im Frühjahr 2011 durchaus realistisch.

    Über das Unternehmen können Sie sich auf der Internetseite http://www.smiles-world.de informieren.

    Freundliche Grüße
    Martin Münzenmayer